Ausgezeichnet: Qualitätszertifikat für Bibliotheken in Schleswig-Holstein

Rendsburg, 10. Mai 2017

Büchereien in Schleswig-Holstein können sich jetzt hinsichtlich der Qualität ihrer Arbeit prüfen und zertifizieren lassen. Das Verfahren stellt hohe Ansprüche, die derzeit nur wenige Einrichtungen im Land erfüllen: 107 Kriterien werden im Detail bewertet. Erst bei Erreichen von mindestens 75 % aller möglichen Punkte erfolgt eine Zertifizierung. Im ersten Durchgang ausgezeichnet wurden die Stadtbücherei Wedel und die Deutsche Zentralbücherei in Apenrade (DK). Das Ministerium für Justiz, Kultur und Europa des Landes fördert das Vorhaben.

Um gute Bibliotheksarbeit sichtbar zu machen, wurde unter der Regie des Büchereivereins Schleswig-Holstein auf Initiative Öffentlicher Bibliotheken ein Qualitätssicherungs- und Zertifizierungsverfahren entwickelt. Mit ihm wird ein verbindlicher Rahmen geschaffen, der Standards für öffentliche Büchereien unterschiedlicher Größe festlegt und sie vergleichbar macht. Der Büchereiverein Schleswig-Holstein verleiht das Qualitätssiegel „Ausgezeichnete Bibliothek in Schleswig-Holstein“ erstmals 2017 für eine Dauer von drei Jahren. Künftig können Bibliotheken jährlich eine Teilnahme an dem Verfahren beantragen.

Die Qualitätsprüfung erfolgt auf Grundlage eines 107 Kriterien umfassenden Katalogs, der von einer bibliothekarischen Arbeitsgruppe entwickelt wurde. Die Kriterien decken die Bereiche Strategische Ausrichtung, Personal und Organisation, Erreichbarkeit, Medien- und Informationsangebote, Kundenkommunikation und Marketing, Infrastruktur sowie Innovationen ab. Im Zentrum des Qualitätsmanagementprozesses steht ein sogenanntes Audit durch externe, unabhängige und speziell geschulte Auditoren, bei dem die Einhaltung der festgelegten Standards in den Bibliotheken überprüft wird. Ziel ist es, herausragende Beispiele bibliothekarischer Arbeit in Schleswig-Holstein sichtbar zu machen.

Die mehr als 150 Öffentlichen Bibliotheken in Schleswig-Holstein ermöglichen als niedrigschwellige Orte allen Bevölkerungsgruppen gesellschaftliche Teilhabe und den Zugang zu Wissen. Um in einer sich rasant verändernden Medien- und Informationswelt wichtige Partner zu bleiben, sind die Einrichtungen heute zunehmend gefordert, ihr Angebotsspektrum auszudehnen und an die Bedürfnisse ihrer Nutzer anzupassen. Anders als Ausleihzahlen werden Dienstleistungen, wie erweiterte Öffnungszeiten, die Bereitstellung moderner Arbeitsplätze oder spezielle Bibliotheksangebote zur Integration und Sprachförderung, bisher zahlenmäßig nicht erfasst. Als Ergänzung zu bestehenden Bewertungsmaßstäben soll das neue Zertifikat die Leistungsstärke einer Bibliothek gegenüber Trägern und Politik sichtbar und vergleichbar machen. Gleichzeitig werden den Büchereien im Land Methoden an die Hand gegeben, die dazu beitragen, bibliotheksinterne Arbeitsabläufe zu hinterfragen und weiterzuentwickeln.

„Diese wichtige Auszeichnung würdigt vorbildliche Bibliotheksarbeit in Schleswig-Holstein und hebt deren hohe Qualität hervor. Sie ist Anerkennung und Ansporn zugleich“, betonte Hans-Joachim Grote, Vorsitzender des Büchereivereins, im Rahmen der Zertifikatsvergabe in Rendsburg.

Kulturministerin Anke Spoorendonk hob im Vorfeld hervor: „Die öffentlichen Bibliotheken tun gut daran, sich im derzeitigen Wandel der Aufgabenwahrnehmung und -erfüllung selbst zu vergewissern und neu aufzustellen. Sie müssen heute mit modernster Technik ausgestattet sein, umfangreiche Öffnungszeiten gewährleisten und eine hohe Aufenthaltsqualität anbieten. Medien- und Informationskompetenz, Integration und Teilhabe, Zielgruppenorientierung und Leseförderung – das Spektrum einer gelungenen Bibliotheksarbeit ist breit und spannend.“

Die finanzielle Unterstützung durch das Ministerium für Justiz, Kultur und Europa in Höhe von 5.800 Euro ermöglichte die Realisierung des Zertifizierungsverfahrens, das sich seit 2010 in der Vorbereitung befand.

Verleihung der Qualitätszertifikate in Rendsburg durch den Büchereiverein
Medienangebot, Kundenorientierung, Organisationsstrukturen, Finanzen, Innovationen – in diesen und anderen Bereichen haben die Stadtbücherei Wedel und die Deutsche Zentralbücherei in Apenrade hervorragend abgeschnitten und konnten sich so als erste öffentliche Büchereien in Schleswig-Holstein das Zertifikat „Ausgezeichnete Bibliothek“ sichern. Hans-Joachim Grote, Vorsitzender des Büchereivereins Schleswig-Holstein, überreichte am heutigen Vormittag (10.5.) im Rahmen der Mitgliederversammlung des Büchereivereins Schles-wig-Holstein die Qualitätszertifikate an die Bibliotheksleiterinnen Andrea Koehn (Wedel) und Claudia Knauer (Apenrade).

Informationen zum Büchereiverein Schleswig-Holstein e.V.
Gemäß Artikel 9 Abs. 3 der Landesverfassung wird das Büchereiwesen in Schleswig-Holstein in gemeinsamer Verantwortung und gegenseitiger Verpflichtung vom Land, den Städten, Gemeinden und Kreisen getragen. In Schleswig-Holstein hat das Land die Aufgabe der Büchereiförderung dem Büchereiverein Schleswig-Holstein e.V. übertragen. Der Verein ist Träger der Büchereizentrale Schleswig-Holstein, der Dienstleistungseinrichtung zur Unterstützung der öffentlichen Büchereien im Land.
Der Büchereiverein fördert und entwickelt gemäß seiner Satzung das öffentliche Büchereiwesen in Schleswig-Holstein mit dem Ziel einer flächendeckenden Medien- und Informationsversorgung der Bevölkerung in allen Teilen des Landes. Zu diesem Zweck schließt er mit seinen Mitgliedskommunen privatrechtliche Verträge ab, die für die öffentlichen Büchereien eine sachgerechte Ausstattung und eine kontinuierliche Finanzierung sicherstellen. Die Förderung erfolgt auf der Grundlage landesweit geltender auf Leistungszahlen basierender Förderkriterien.

Weitere Informationen unter www.bz-sh.de

 

 

10.05.2017